Im Lichte der Wahrheit

Gralsbotschaft von Abdrushin


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Inhaltsverzeichnis


61. Irrungen

Suchend erhebt so mancher Mensch den Blick nach Licht und Wahrheit. Sein Wunsch ist groß, doch fehlt es ihm sehr oft an ernstem Wollen! Mehr als die Hälfte aller Sucher sind nicht echt. Sie bringen ihre eigne, abgeschlossene Meinung. Sollen sie auch nur ein Wenig daran ändern, so lehnen sie viel lieber alles für sie Neue ab, auch wenn darin die Wahrheit liegt.

Tausende müssen dadurch sinken, weil sie in der Verstrickung irrtümlicher Überzeugung die Bewegungsfreiheit unterbanden, die sie zur Rettung durch den Schwung nach oben brauchen.

Immer ist ein Teil vorhanden, derer, welche meinen, alles Rechte schon erfaßt zu haben. Sie beabsichtigen nicht, nach dem Gehörten und Gelesenen auch eine strenge Prüfung gegen sich zu führen.

Für solche spreche ich natürlich nicht!

Ich spreche auch nicht zu Kirchen und Parteien, nicht zu Orden, Sekten und Vereinen, sondern lediglich in aller Einfachheit zum Menschen selbst. Fern liegt es mir, etwas Bestehendes zu stürzen; denn ich baue auf, ergänze bisher ungelöste Fragen, die ein jeder in sich tragen muß, sobald er nur ein wenig denkt.

Nur eine Grundbedingung ist für jeden Hörer unerläßlich: Ernstes Suchen nach der Wahrheit. Er soll die Worte in sich prüfen und lebendig werden lassen, aber nicht des Redners achten. Sonst wird ihm kein Gewinn. Für alle, die das nicht erstreben, ist jedes Zeitopfer von vornherein verloren.

Es ist unglaublich, wie naiv die größte Mehrzahl aller Menschen krampfhaft unwissend darüber bleiben will, woher sie kommen, was sie sind, wohin sie gehen!

Geburt und Tod, die untrennbaren Pole alles Erdenseins, sie dürften kein Geheimnis für den Menschen bilden.

Zerrissenheit liegt in den Anschauungen, die den Wesenskern der Menschen klären wollen. Das ist die Folge des krankhaften Größenwahns der Erdenbürger, die sich vermessen rühmen, ihr Wesenskern sei göttlich!

Seht Euch die Menschen an! Könnt Ihr denn Göttliches in ihnen finden? Die törichte Behauptung müßte man als Gotteslästerung bezeichnen, da sie Herabzerrung des Göttlichen bedeutet.

Der Mensch trägt nicht ein Stäubchen Göttliches in sich!

Die Anschauung ist lediglich krankhafte Überhebung, die als Ursache nur das Bewußtsein eines Nichtverstehenkönnens hat. Wo ist der Mensch, der ehrlich sagen kann, daß ihm ein solcher Glaube auch zur Überzeugung wurde? Wer ernsthaft in sich geht, muß es verneinen. Er fühlt genau, daß es nur Sehnsucht, Wunsch ist, Göttliches in sich zu tragen, aber nicht Gewißheit! Man spricht ganz richtig von einem Gottesfunken, den der Mensch in sich trägt. Dieser Funke Gottes ist aber Geist! Er ist nicht ein Stück der Göttlichkeit.

Der Ausdruck Funke ist eine ganz richtige Bezeichnung. Ein Funke entwickelt sich und sprüht aus, ohne etwas von der Beschaffenheit des Erzeugers mitzunehmen oder in sich zu tragen. So auch hier. Ein Gottesfunke ist nicht selbst göttlich.

Wo solche Fehler schon im Hinblick auf den Ursprung eines Seins zu finden sind, dort muß Versagen in dem ganzen Werden kommen! Habe ich auf falschen Grund gebaut, muß einst der ganze Bau ins Wanken und zum Stürzen kommen.

Gibt doch der Ursprung Halt fürs ganze Sein und Werden eines jeden! Wer nun, wie üblich, sucht, über den Ursprung weit hinauszugreifen, langt nach für ihn Unfaßbarem, und er verliert in ganz natürlichem Geschehen damit jeden Halt.

Wenn ich z. B. nach dem Aste eines Baumes greife, der durch die irdische Beschaffenheit mit meinem Erdenkörper Gleichart hat, gewinne ich in diesem Aste einen Halt und kann mich deshalb daran aufwärtsschwingen.

Greife ich aber über diesen Ast hinaus, so kann ich an der andersartigen Beschaffenheit der Luft keinen Stützpunkt finden und... kann deshalb auch nicht empor! Das ist doch klar.

Genau so ist es mit der inneren Beschaffenheit des Menschen, die man Seele nennt und deren Kern den Geist.

Will dieser Geist den notwendigen Halt aus seinem Ursprung haben, den er braucht, so darf er selbstverständlich nicht ins Göttliche zu fassen suchen. Das wird dann unnatürlich; denn das Göttliche liegt viel zu weit darüber, ist von ganz anderer Beschaffenheit!

Und doch sucht er in seiner Einbildung Verbindung an dieser Stelle, die er nie erreichen kann, und unterbricht dadurch natürliches Geschehen. Wie ein Wehr senkt sich sein falsches Wünschen hemmend zwischen ihn und seine notwendige Kraftzufuhr vom Ursprung her. Er schneidet sich selbst ab davon.

Deshalb hinweg mit solchen Irrtümern! Dann kann der Menschengeist erst seine volle Kraft entfalten, die er noch heute achtlos übersieht, und wird zu dem, was er sein kann und soll, zum Herrn in der Schöpfung! Doch wohl gemerkt, nur in der Schöpfung, nicht über dieser stehend.

Nur Göttliches steht über aller Schöpfung. —

Gott selbst, der Ursprung alles Seins und Lebens, ist, wie schon das Wort sagt, göttlich! Der Mensch aber, wie auch nicht unbekannt, von seinem Geist erschaffen!

Der Mensch ist also nicht unmittelbar von Gott, sondern von dessem Geiste! Göttlich und geistig ist nicht einerlei, Geist ist der Wille Gottes. Aus diesem Willen nur erstand die erste Schöpfung, nicht aber aus dem Göttlichen heraus! Halten wir uns doch an diese einfache Tatsache, sie gibt die Möglichkeit des besseren Verstehens.

Man stelle sich doch einmal zum Vergleich den eigenen Willen vor. Er ist ein Akt, nicht aber ein Stück Mensch, sonst müßte sich der Mensch auflösen mit der Zeit, in seinen vielen Willensakten. Es würde von ihm gar nichts übrig bleiben.

Nicht anders auch bei Gott! Sein Wille schuf das Paradies! Sein Wille aber ist der Geist, den man als „Heiligen Geist“ bezeichnet. Das Paradies war wiederum auch nur das Werk des Geistes, nicht ein Stück von ihm selbst. Darin liegt eine neue Abstufung nach unten zu. Der schöpferische Heilige Geist, also der lebendige Wille Gottes, ging nicht in seiner Schöpfung auf. Er gab darein auch nicht ein Stück von sich, sondern er blieb selbst ganz außerhalb der Schöpfung. Das bringt die Bibel schon ganz klar und deutlich mit den Worten: „Der Geist Gottes schwebte über den Wassern“, nicht Gott in eigener Person! Das ist schließlich ein Unterschied. Der Mensch trägt also auch nichts von dem Heiligen Geiste selbst in sich, sondern nur von dem Geiste, der ein Werk des Heiligen Geistes ist, ein Akt.

Anstatt sich nun mit dieser Tatsache zu befassen, will man hier mit aller Kraft schon eine Lücke bilden! Denkt nur an die bekannte Anschauung über die erste Schöpfung, an das Paradies! Es sollte unbedingt auf dieser Erde sein. Der kleine menschliche Verstand zog damit das Geschehen notwendiger Jahrmillionen in seinen eng an Raum und Zeit begrenzten Kreis und stellte sich als Mittelpunkt und Achse alles Weltgeschehens vor. Die Folge war, daß er dadurch den Weg zum eigentlichen Lebensausgangspunkte ohne weiteres verlor. An Stelle dieses klaren Weges, den er nicht mehr überschauen konnte, mußte in seinen religiösen Anschauungen ein Ersatz gefunden werden, wenn er sich nicht selbst als Urheber des ganzen Seins und Lebens und somit als Gott bezeichnen wollte. Diesen Ersatz gab ihm bisher der Ausdruck „Glaube“! Und an dem Worte „Glaube“ krankt seither die ganze Menschheit! Ja, noch mehr, das unerkannte Wort, welches alles Verlorene ergänzen sollte, wurde ihr zur Klippe, die das vollständige Scheitern brachte!

Mit Glaube findet sich nur jeder Träge ab. Der Glaube ist es auch, an dem die Spötter sich verankern können. Und das Wort „Glaube“ falsch gedeutet, ist der Schlagbaum, der sich heute hemmend vor den Weg zum Weiterschreiten für die Menschheit legt.

Glaube soll nicht der Mantel sein, der alles Denkens Trägheit großmütig verdeckt, der sich wie eine Schlafkrankheit behaglich lähmend auf den Geist der Menschen senkt! Glaube soll in Wirklichkeit zur Überzeugung werden. Überzeugung aber fordert Leben, schärfstes Prüfen!

Wo auch nur eine Lücke bleibt, ein ungelöstes Rätsel, dort wird die Überzeugung zur Unmöglichkeit. Kein Mensch kann deshalb wahren Glauben haben, solange in ihm eine Frage offen bleibt.

Schon das Wort „blinder Glaube“ gibt das Ungesunde zu erkennen!

Lebendig muß der Glaube sein, wie Christus einst schon forderte, sonst hat er keinen Zweck. Lebendigkeit aber bedeutet das Sichregen, Abwägen und auch Prüfen! Nicht stumpfes Hinnehmen fremder Gedanken. Blindglauben heißt doch deutlich Nichtverstehen. Was der Mensch aber nicht versteht, kann ihm auch geistig keinen Nutzen bringen, denn im Nichtverstehen kann es nicht in ihm zum Leben kommen.

Was er aber in sich nicht ganz erlebt, wird ihm auch nie zu eigen! Und nur das Eigene bringt ihn empor.

Es kann auch schließlich niemand einen Weg beschreiten, vorwärts gehen, wenn in dem Wege große Spalten klaffen. Der Mensch muß geistig dort stehenbleiben, wo er nicht wissend weiter kann. Die Tatsache ist unumstößlich und wohl auch leicht verständlich. Wer also geistig vorwärtskommen will, der wache auf!

Im Schlafe kann er seinen Weg zum Licht der Wahrheit niemals gehen! Auch nicht mit einem Bilde oder Schleier vor den Augen.

Sehend will der Schöpfer seine Menschen in der Schöpfung haben. Sehend sein aber heißt wissend! Und zu dem Wissen paßt kein blinder Glaube. Trägheit, Denkfaulheit liegt nur in einem solchen, keine Größe!

Der Vorzug eines Denkvermögens bringt dem Menschen auch die Pflicht zum Prüfen!

Um allem diesem zu entgehen, hat man aus Bequemlichkeit den großen Schöpfer einfach so verkleinert, daß man ihm Willkürsakte als Beweis der Allmacht zumutet.

Wer nur ein wenig denken will, muß darin wieder einen großen Fehler finden. Ein Willkürsakt bedingt die Möglichkeit der Abbiegung bestehender Naturgesetze. Wo aber solches vor sich gehen kann, dort fehlt Vollkommenheit. Denn wo Vollkommenheit vorhanden ist, kann keine Änderung erfolgen. Somit wird irrtümlich von einem großen Teil der Menschheit die Allmacht Gottes derart hingestellt, daß sie dem tiefer Denkenden als ein Beweis der Unvollkommenheit zu gelten hätte. Und darin ruht die Wurzel vieles Übels.

Gebt Gott die Ehre der Vollkommenheit! Dann findet Ihr darin den Schlüssel zu den ungelösten Rätseln alles Seins. —

Die ernsthaft Suchenden dahin zu bringen, soll mein Bestreben sein. Ein Aufatmen soll durch die Kreise aller Wahrheitssucher gehen. Sie werden zuletzt froh erkennen, daß in dem ganzen Weltgeschehen kein Geheimnis, keine Lücke ist. Und dann... sehen sie den Weg zum Aufstieg klar vor sich. Sie brauchen ihn nur zu gehen. —

Mystik *(Geheimlehre) hat keinerlei Berechtigung in der gesamten Schöpfung! Es ist darin kein Platz für sie vorhanden; denn klar und lückenlos soll alles vor dem Menschengeiste liegen, bis zu seinem Ursprunge zurück. Und das Gebiet umfaßt die ganze Schöpfung. Nur was dann über dieser Schöpfung ist, das Göttliche allein, wird jedem Menschengeiste heiligstes Geheimnis bleiben müssen, da es über seinem Ursprung steht, der in der Schöpfung ruht. Deshalb wird Göttliches auch nie von ihm begriffen werden. Mit bestem Willen und dem größten Wissen nicht. In diesem Nichtbegreifenkönnen alles Göttlichen liegt für den Menschen aber das natürlichste Geschehen, das man denken kann; denn nichts vermag bekanntlich über die Zusammensetzung seines Ursprunges hinauszugehen. Auch nicht der Geist des Menschen! In andersartiger Zusammensetzung liegt stets eine Grenze. Und Göttliches ist von ganz anderer Beschaffenheit als Geistiges, welchem der Mensch entstammt.

Das Tier zum Beispiel kann auch in der vollsten seelischen Entwickelung niemals zum Menschen werden. Aus seiner Wesenhaftigkeit kann unter keinen Umständen das Geistige erblühen, welches den Menschengeist gebiert. In der Zusammensetzung alles Wesenhaften fehlt geistige Grundart. Der aber aus dem Teile geistiger Schöpfung hervorgegangene Mensch kann wiederum auch niemals göttlich werden, da Geistiges die Art des Göttlichen nicht hat. Der Menschengeist kann wohl bis zur Vollkommenheit im höchsten Grade sich entwickeln, wird aber trotzdem immer geistig bleiben müssen. Er kann nicht über sich ins Göttliche gelangen. Die andere Beschaffenheit bildet auch hier naturgemäß die niemals überbrückbare Begrenzung nach oben zu. Die Stofflichkeit spricht hierbei gar nicht mit, da sie kein eigenes Leben birgt, sondern als Hülle dient, getrieben und geformt vom Geistigen und von dem Wesenhaften.

Das gewaltige Gebiet des Geistes geht durch die ganze Schöpfung. Der Mensch kann, soll und muß sie deshalb voll erfassen und erkennen! Und durch sein Wissen wird er darin herrschen. Herrschen aber, selbst das strengste, heißt, recht erkannt, nur dienen! —

An keiner Stelle in der ganzen Schöpfung bis hinauf zum höchsten Geistigen wird von natürlichem Geschehen abgewichen! Schon dieser Umstand macht doch jedem alles viel vertrauter. Die ungesunde und geheime Scheu, das Sichversteckenwollen vor so manchen vorläufig noch unbekannten Dingen, fällt dabei von allein in sich zusammen. Mit der Natürlichkeit zieht frischer Luftstrom durch die schwüle Umwelt düsterer Gehirngespinste solcher, die gern von sich reden machen wollen. Deren krankhaftphantastischen Gebilde, schreckhaft den Schwachen, zum Gespött der Starken, wirken lächerlich und kindhaft läppisch vor dem klarwerdenden Blick, der zuletzt frisch und froh die prachtvolle Natürlichkeit alles Geschehens umfaßt, das immer nur in einfachen, geraden Linien sich bewegt, die deutlich zu erkennen sind.

Einheitlich geht es durch in strengster Regelmäßigkeit und Ordnung. Und das erleichtert jedem Suchenden den großen, freien Überblick bis zu dem Punkte seines eigentlichen Ausganges!

Er braucht dazu kein mühevolles Erforschen und keine Phantasie. Hauptsache ist, daß er sich abseits hält von allen, die in verworrener Geheimniskrämerei dürftiges Teilwissen größer erscheinen lassen wollen.

Es liegt alles so einfach vor den Menschen, daß diese oft gerade durch die Einfachheit nicht zur Erkenntnis kommen, weil sie von vornherein annehmen, daß das große Werk der Schöpfung so viel schwerer, verwickelter sein müßte.

Darüber stolpern Tausende mit bestem Wollen, richten ihre Augen suchend hoch empor und ahnen nicht, daß sie nur einfach ohne Anstrengung vor sich und umherzublicken brauchen. Sie werden dabei sehen, daß sie schon durch ihr Erdendasein auf rechtem Wege stehen, nur ruhig vorwärts schreiten brauchen! Ohne Hast und ohne Anstrengung, doch offenen Blickes, freien, unbeengten Sinnes! Der Mensch muß endlich lernen, daß wahre Größe nur im einfachsten, natürlichsten Geschehen liegt. Daß Größe diese Einfachheit bedingt.

So ist es in der Schöpfung, so auch in ihm selbst, der zu der Schöpfung als ein Teil gehört!

Allein einfaches Denken und Empfinden kann ihm Klarheit geben! So einfach, wie es Kinder noch besitzen! Ruhiges Überlegen wird ihn erkennen lassen, daß in dem Begriffsvermögen Einfachheit gleichgeltend ist mit Klarheit und auch mit Natürlichkeit! Eins ist ohne das andere gar nicht zu denken. Es ist ein Dreiklang, der einen Begriff ausdrückt! Wer ihn zum Grundstein seines Suchens nimmt, wird schnell das nebelhaft Verworrene durchbrechen. Alles künstlich Aufgeschraubte fällt dabei in Nichts zusammen.

Der Mensch erkennt, daß nirgends das natürliche Geschehen ausgeschaltet werden darf, daß es an keiner Stelle unterbrochen ist! Und darin offenbart sich auch die Größe Gottes! Die unverrückbare Lebendigkeit des selbsttätigen schöpferischen Willens! Denn die Naturgesetze sind die ehernen Gesetze Gottes, allen Menschen dauernd sichtbar vor den Augen, eindringlich zu ihm redend, für des Schöpfers Größe zeugend, von unerschütterlicher, ausnahmsloser Regelmäßigkeit! Ausnahmsloser! Denn aus des Hafers Samenkorn kann wiederum nur Hafer kommen, aus Weizen ebenfalls nur Weizen, und so fort.

So ist es auch in jener ersten Schöpfung, die als das eigene Werk des Schöpfers dessen Vollkommenheit am nächsten steht. Dort sind die Grundgesetze so verankert, daß sie, getrieben von Lebendigkeit des Willens, die Entstehung der weiteren Schöpfung bis zuletzt herab zu diesen Weltenkörpern in natürlichstem Geschehen nach sich ziehen mußten. Nur gröber werdend, je weiter sich die Schöpfung in der Fortentwickelung von der Vollkommenheit des Ursprunges entfernt. —

Wollen wir die Schöpfung erst einmal betrachten.

Stellen Sie sich vor, daß alles Leben darin nur zwei Arten trägt, gleichviel, in welchem Teile es sich findet. Die eine Art ist Sichbewußtes, die andere ist das Sichunbewußte. Diese zwei Verschiedenheiten zu beachten, ist von größtem Wert! Es hängt zusammen mit dem „Ursprunge des Menschen“. Die Verschiedenheiten geben auch den Ansporn zu der Fortentwickelung, zum anscheinenden Kampfe. Das Unbewußte ist der Untergrund alles Bewußten, doch in der Zusammensetzung von ganz gleicher Art. Bewußtwerden ist Fortschritt und Entwickelung fürs Unbewußte. Das durch das Zusammensein mit dem Bewußten dauernd Anregung dazu erhält, auch so bewußt zu werden.

Die erste Schöpfung selbst hat nacheinander abwärts sich entwickelnd drei große Grundabspaltungen gebracht: Als Oberstes und Höchstes ist das Geistige, die Urschöpfung, dem sich das dichter und somit auch schwerer werdende Wesenhafte anschließt. Zuletzt folgt noch als unterstes, und ob der größten Dichtheit schwerstes, das große Reich des Stofflichen, das nach und nach, sich aus der Urschöpfung lösend, herabsank! Dadurch blieb zuletzt als oberstes nur das Reingeistige zurück, weil es in seiner reinen Art das Leichteste und Lichteste verkörpert. Es ist das vielgenannte Paradies, die Krone aller Schöpfung.

Mit dem Herabsinken des dichter Werdenden berühren wir schon das Gesetz der Schwere, welches nicht nur in dem Stofflichen verankert ist, sondern Wirkung in der ganzen Schöpfung hat, vom sogenannten Paradiese angefangen bis herab zu uns.

Das Gesetz der Schwere ist von so ausschlaggebender Bedeutung, daß es sich jeder Mensch einhämmern sollte; denn es ist der Haupthebel im ganzen Werdegang und dem Entwickelungsprozeß des Menschengeistes.

Ich sagte schon, daß diese Schwere nicht nur für irdische Beschaffenheiten gilt, sondern auch gleichmäßig in jenen Schöpfungsteilen wirkt, die Erdenmenschen nicht mehr sehen können und deshalb einfach Jenseits nennen.

Dem besseren Verständnis halber muß ich die Stofflichkeit noch in zwei Abteilungen trennen. In das Feinstoffliche und das Grobstoffliche. Das Feinstoffliche ist die Stofflichkeit, die für das irdische Auge nicht sichtbar werden kann, durch ihre andere Art. Und doch ist es noch Stofflichkeit.

Das sogenannte „Jenseits“ darf man nicht verwechseln mit dem ersehnten Paradiese, welches nur reingeistig ist. Geistig ist nicht etwa als „gedanklich“ zu verstehen, sondern geistig ist eine Beschaffenheit, wie auch wesenhaft und stofflich eine Beschaffenheit ist. Man nennt also nun dieses Feinstoffliche einfach Jenseits, weil es jenseits des irdischen Sehvermögens ist. Das Grobstoffliche ist aber das Diesseits, alles Irdische, das unseren grobstofflichen Augen durch die Gleichart sichtbar wird.

Der Mensch sollte sich abgewöhnen, ihm unsichtbare Dinge auch als unbegreifbar, unnatürlich anzusehen. Alles ist natürlich, sogar das sogenannte Jenseits und das von diesem noch sehr weit entfernte Paradies.

Wie nun hier unser grobstofflicher Körper empfindsam ist gegen seine Umgebung gleicher Art, die er dadurch sehen, hören und fühlen kann, genau so ist es in den Schöpfungsteilen, deren Beschaffenheit der unseren nicht ähnlich ist. Der feinstoffliche Mensch in dem sogenannten Jenseits fühlt, hört und sieht nur seine gleichartig feinstoffliche Umgebung, der höhere geistige Mensch kann wiederum nur seine geistige Umgebung fühlen.

So kommt es vor, daß mancher Erdenbürger hier und da auch schon mit seinem feinstofflichen Körper, den er ja in sich trägt, die Feinstofflichkeit sieht und hört, bevor die Trennung von dem grobstofflichen Erdenkörper durch dessen Absterben erfolgt. Es ist darin durchaus nichts Unnatürliches.

Neben dem Gesetz der Schwere steht als mitwirkend noch das nicht minder wertvolle Gesetz der Gleichart.

Ich berührte es schon damit, daß Art nur immer gleiche Art erkennen kann. Die Sprichwörter: „Gleich und gleich gesellt sich gern“, und „Art läßt nicht von Art“ scheinen dem Urgesetze abgelauscht zu sein. Es schwingt sich neben dem Gesetz der Schwere durch die ganze Schöpfung.

Ein drittes Urgesetz liegt neben diesen schon genannten in der Schöpfung: Das Gesetz der Wechselwirkung. Es bewirkt, daß der Mensch ernten muß, was er einst säte, unbedingt. Er kann nicht Weizen ernten, wenn er Roggen säet, nicht Klee, sobald er Disteln streut. Genau so in der feinstofflichen Welt. Er wird zuletzt nicht Güte ernten können, wenn er Haß empfand, nicht Freude, wo er Neid in sich ernährte!

Diese drei Grundgesetze bilden Marksteine göttlichen Willens! Sie sind es ganz allein, die selbsttätig für einen Menschengeist Lohn oder Strafe auswirken, in unerbittlicher Gerechtigkeit! Derart unbestechlich, in den wundervollsten, feinsten Abstufungen, daß in dem Riesen-Weltgeschehen der Gedanke einer kleinsten Ungerechtigkeit unmöglich wird.

Die Wirkung dieser einfachen Gesetze bringt jeden Menschengeist genau dorthin, wohin er nach seiner inneren Einstellung auch gehört. Eine Irrung ist dabei unmöglich, weil die Auswirkung dieser Gesetze nur von dem innersten Zustande des Menschen bewegt werden kann, aber in jedem Falle auch unbedingt bewegt wird! Die Auswirkung bedingt also als Hebel zur Betätigung die in dem Menschen befindliche reingeistige Kraft seiner Empfindungen! Alles andere bleibt dafür wirkungslos. Aus diesem Grunde ist allein nur das wirkliche Wollen, die Empfindung des Menschen, maßgebend dafür, was sich für ihn in der ihm unsichtbaren Welt entwickelt, in welche er nach seinem Erdentode treten muß.

Da hilft kein Vortäuschen, kein Selbstbetrug. Er muß dann unbedingt das ernten, was er in seinem Wollen säte! Sogar genau je nach der Stärke oder Schwäche seines Wollens setzt es auch mehr oder weniger die gleichartigen Strömungen der anderen Welten in Bewegung, gleichviel, ob es nun Haß ist, Neid oder die Liebe. Ein ganz natürliches Geschehen, in größter Einfachheit, und doch von der eisernen Wirkung eherner Gerechtigkeit!

Wer es versucht, sich ernst in diese jenseitigen Vorgänge hineinzudenken, wird erkennen, welch unbestechliche Gerechtigkeit in dieser selbsttätigen Wirkung liegt, sieht darin schon die unfaßbare Größe Gottes. Dieser braucht nicht einzugreifen, nachdem er seinen Willen als Gesetze, also vollkommen, in die Schöpfung gab.

Wer aufwärtssteigend wieder in das Reich des Geistes kommt, der ist gereinigt; denn er mußte vorher durch die selbsttätigen Mühlen des göttlichen Willens gehen. Ein anderer Weg führt nicht in Gottes Nähe. Und wie die Mühlen an dem Menschengeiste wirken, richtet sich nach dessem vorherigen Innenleben, dessem eigenen Wollen. Sie können ihn wohltuend in die lichte Höhe tragen, ihn aber ebenso auch schmerzhaft abwärts reißen in die Nacht des Grauens, ja sogar bis zur völligen Vernichtung zerren. —

Man denke, bei der irdischen Geburt trägt der zur Inkarnierung reifgewordene Menschengeist schon eine feinstoffliche Hülle oder Körper, den er in seinem Laufe durch die Feinstofflichkeit brauchte. Er bleibt ihm auch im Erdensein, als Bindeglied zum Erdenkörper. Das Gesetz der Schwere nun macht seine Hauptwirkung stets an dem dichtesten und gröbsten Teile geltend. Im Erdensein also am Erdenkörper. Fällt dieser aber absterbend zurück, so wird der feinstoffliche Körper wieder frei und unterliegt in diesem Augenblicke ungeschützt als nunmehr gröbster Teil diesem Gesetz der Schwere.

Wenn gesagt wird, daß der Geist sich seinen Körper bildet, so ist dies wahr im Hinblick auf den feinstofflichen Körper. Die innere Beschaffenheit des Menschen, sein Wünschen und sein eigentliches Wollen legt den Grund dazu. Das Wollen birgt die Kraft, Feinstoffliches zu formen. Durch Drang nach Niederem oder nach nur irdischen Genüssen wird der feinstoffliche Körper dicht und damit schwer und dunkel, weil die Erfüllung solcher Wünsche in der Grobstofflichkeit liegt. Der Mensch bindet sich damit selbst an Grobes, Irdisches. Sein Wünschen zieht den feinstofflichen Körper nach, das heißt, er wird so dicht gebildet, daß er dem irdischen in der Beschaffenheit so nahe als möglich kommt, worin allein die Aussicht ruht, an irdischen Genüssen oder Leidenschaften teilnehmen zu können, sobald der grobstoffliche Erdenkörper weggefallen ist. Wer darnach strebt, muß sinken im Gesetz der Schwere.

Anders aber bei den Menschen, deren Sinn hauptsächlich nach dem Höheren und Edleren gerichtet ist. Hier wirkt das Wollen selbsttätig den feinstofflichen Körper leichter und somit auch lichter, damit er in die Nähe alles dessen kommen kann, das diesen Menschen als das Ziel des ernsten Wünschens gilt! Also zur Reinheit lichter Höhe.

Mit anderen Worten ausgedrückt: Der feinstoffliche Körper in dem Erdenmenschen wird durch das jeweilige Ziel des Menschengeistes gleichzeitig derart ausgerüstet, daß er nach Absterben des Erdenkörpers diesem Ziel entgegenstreben kann, gleichviel, welcher Art es ist. Hier bildet sich der Geist wirklich den Körper; denn sein Wollen trägt als geistig seiend auch die Kraft in sich, feinstoffliches sich nutzbar zu machen. Diesem natürlichen Geschehen kann er sich niemals entziehen. Es erfolgt mit jedem Wollen, gleichviel, ob es ihm nun behaglich oder unbehaglich ist. Und diese Formen bleiben an ihm haften, solange er sie durch sein Wollen und Empfinden nährt. Sie fördern oder halten ihn zurück, je nach der Art, die dem Gesetz der Schwere unterliegt. Doch ändert er sein Wollen und Empfinden, so erstehen damit sofort neue Formen, während die bisherigen, durch die Änderung des Wollens keine Nahrung mehr empfangend, absterben müssen und zerfallen. Damit ändert der Mensch auch sein Schicksal.

Sobald nun irdische Verankerung durch Absterben des Erdenkörpers fällt, so sinkt der dadurch losgelöste feinstoffliche Körper oder schwebt wie Kork empor in der Feinstofflichkeit, die man das Jenseits nennt. Er wird genau durch das Gesetz der Schwere an jener Stelle festgehalten, die gleiche Schwere hat wie er; denn dann kann er nicht weiter, weder auf- noch abwärts. Hier findet er naturgemäß auch alle Gleichart oder alle Gleichgesinnten vor; denn gleiche Art bedingt die gleiche Schwere, gleiche Schwere selbstverständlich gleiche Art. Wie er nun selbst war, wird er unter Gleichgesinnten leiden müssen oder sich erfreuen können, bis er sich innerlich erneut verändert, mit ihm sein feinstofflicher Körper, der ihn unter Auswirkung veränderten Gewichtes weiter aufwärts oder abwärts führen muß.

Der Mensch kann sich deshalb weder beklagen, noch braucht er zu danken; denn wird er hochgehoben, nach dem Lichte zu, so ist es seine eigene Beschaffenheit, die das Gehobenwerdenmüssen nach sich zieht, stürzt er hinab ins Dunkel, so ist es wiederum sein Zustand, der ihn dazu zwingt.

Aber ein jeder Mensch hat Ursache, den Schöpfer hoch zu preisen, ob der Vollkommenheit, die in der Wirkung dieser drei Gesetze liegt. Der Menschengeist wird dadurch unbedingt zum unbeschränkten Herrn des eigenen Schicksales gemacht! Da sein wirkliches Wollen, also der unverfälschte innere Zustand, ihn heben oder sinken lassen muß.

Wenn Sie versuchen, sich die Wirkung richtig vorzustellen, einzeln und ineinandergreifend, so finden Sie, daß darin haarscharf abgemessen für jeden Lohn und Strafe, Gnade oder auch Verdammnis liegt, je nach ihm selbst. Es ist das einfachste Geschehen und zeigt das Rettungsseil durch jedes ernste Wollen eines Menschen, das nie zerreißen, nie versagen kann. Die Größe einer solchen Einfachheit ist es, die den Erkennenden gewaltsam auf die Knie zwingt vor der gewaltigen Erhabenheit des Schöpfers!

In jeglichem Geschehen, allen meinen Ausführungen, stoßen wir stets klar und deutlich immer wieder auf die Wirkung dieser einfachen Gesetze, deren wundervolles Ineinanderarbeiten ich noch besonders schildern muß.

Kennt der Mensch dieses Ineinanderwirken, so hat er damit auch die Stufenleiter zu dem lichten Reich des Geistes, zu dem Paradiese. Doch er sieht dann auch den Weg hinab ins Dunkel!

Er braucht nicht einmal selbst zu schreiten, sondern wird von dem selbsttätigen Getriebe hoch emporgehoben oder hinabgezerrt, ganz wie er das Getriebe durch sein Innenleben für sich stellt.

Seiner Entscheidung bleibt es immer vorbehalten, von welchem Wege er sich tragen lassen will.

Der Mensch darf sich dabei durch Spötter nicht beirren lassen.

Zweifel und Spott sind, recht geschaut, nichts anderes als ausgesprochene Wünsche. Ein jeder Zweifler spricht, sich selbst ganz unbewußt, das aus, was er sich wünscht, und gibt damit sein Inneres dem Forscherblicke preis. Denn auch in der Verneinung, in der Abwehr, liegen, leicht erkennbar, tiefverborgene Wünsche. Welche Vernachlässigung, welche Armut sich da manchmal offenbart, ist traurig oder auch empörend, weil sich ein Mensch gerade dadurch innerlich nicht selten tiefer zerrt, als jedes unwissende Tier. Man sollte Mitleid mit den Leuten haben, ohne jedoch nachsichtig zu sein; denn Nachsicht würde ja bedeuten, Trägheit ernsten Prüfens großzuziehen. Wer ernsthaft sucht, muß mit der Nachsicht sparsam werden, sonst schadet er sich zuletzt selbst, ohne dem anderen damit zu helfen.

Jauchzend wird er aber mit der wachsenden Erkenntnis vor dem Wunder einer solchen Schöpfung stehen, um sich bewußt emporschwingen zu lassen zu den lichten Höhen, die er Heimat nennen darf!

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