Im Lichte der Wahrheit

Gralsbotschaft von Abdrushin


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Inhaltsverzeichnis


80. Es war einmal..!

Drei Worte sind es nur, doch sie sind wie eine Zauberformel; denn sie tragen die Eigenart in sich, bei jedem Menschen sofort irgendein besonderes Empfinden auszulösen. Selten ist dieses Empfinden gleichartig. Ähnlich der Wirkung der Musik. Genau wie die Musik finden auch die drei Worte ihren Weg unmittelbar zum Geist des Menschen, seinem eigentlichen „Ich“. Natürlich nur bei denen, die den Geist nicht ganz in sich verschlossen halten, und damit das eigentliche Menschentum auf Erden hier bereits verloren.

Ein jeder Mensch aber wird bei den Worten unwillkürlich sofort an irgendein früheres Erleben zurückdenken. Dieses steht lebendig vor ihm auf, und mit dem Bilde auch eine entsprechende Empfindung.

Sehnsuchtsvolle Weichheit bei dem Einen, wehmütiges Glück, auch stilles, unerfüllbares Verlangen. Bei anderen jedoch der Stolz, Zorn, Grauen oder Haß. Immer denkt der Mensch an etwas, das er einst erlebte, das außergewöhnlichen Eindruck auf ihn machte, das er aber auch schon längst in sich erloschen wähnte.

Doch es ist nichts in ihm erloschen, nichts verloren von dem, was er wirklich einst in sich erlebte. Alles davon kann er noch sein eigen nennen, als wirklich Erworbenes, und damit Unvergängliches. Aber auch nur Erlebtes! Anderes wird nicht erstehen können bei den Worten.

Der Mensch achte einmal mit Sorgfalt und mit wachem Sinn genau darauf, dann wird er bald erkennen, was wirklich lebendig in ihm ist, und was als tot bezeichnet werden kann, als seelenlose Schale zweckloser Erinnerungen.

Zweck und Nutzen für den Menschen, unter dem wir nicht den Körper denken dürfen, hat nur das, was während seines Erdenlebens tief genug einwirkte, um auf die Seele einen Stempel aufzudrücken, der nicht vergeht, sich nicht wieder verwischen läßt. Nur derartige Stempel haben Einfluß auf die Bildung der Menschenseele, und damit weitergehend auch auf Förderung des Geistes zu dessen dauernden Entwickelung.

In Wirklichkeit ist also nur das erlebt und damit zu eigen gemacht, was einen derart tiefen Eindruck hinterläßt. Alles andere rauscht wirkungslos vorüber, oder dient höchstens als Hilfsmittel dazu, Ereignisse heranbilden zu lassen, welche fähig sind, so große Eindrücke hervorzurufen.

Wohl dem, der viel so kraftvolle Erlebnisse sein eigen nennen kann, gleichviel, ob es nun Freude oder Leid gewesen ist, die sie hervorriefen; denn deren Eindrücke sind einst das Wertvollste, was eine Menschenseele mit auf ihren Weg ins Jenseits nimmt. —

Reinirdisches Verstandesschaffen, wie es heute üblich ist, nützt nur bei guter Anwendung zu der Erleichterung des körperlichen Erdenseins. Das ist, scharf überlegt, das eigentliche Endziel eines jeden Wirkens des Verstandes! Es gibt am letzten Ende nie ein anderes Ergebnis. Bei aller Schulweisheit, gleichviel, welches Gebiet es ist, und auch bei allem Schaffen, sei es im Staatswesen oder in der Familie, bei jedem Einzelmenschen oder bei Nationen, wie auch zuletzt bei der gesamten Menschheit. Alles hat sich aber leider ganz bedingungslos nur dem Verstande unterworfen und liegt damit in schweren Ketten irdischer Beschränktheit des Begriffsvermögens, was selbstverständlich unheilvolle Folgen in allem Wirken und Geschehen nach sich ziehen mußte und noch nach sich ziehen wird.

Nur eine Ausnahme gibt es darin auf dieser ganzen Erde. Die Ausnahme bietet uns aber nicht etwa die Kirche, wie so mancher denken wird, und wie es auch sein sollte, sondern die Kunst! Bei dieser spielt nun der Verstand unweigerlich die zweite Rolle. Dort, wo aber der Verstand dabei die Oberhand gewinnt, wird Kunst sofort zum Handwerk erniedrigt, sie sinkt unmittelbar und auch ganz unbestreitbar tief herab. Es ist dies eine Folgerung, die in ihrer einfachen Natürlichkeit gar nicht anders möglich ist. Nicht eine Ausnahme kann darin nachgewiesen werden.

Dieselbe Folgerung ist aber selbstverständlich auch bei allem anderen zu ziehen! Gibt das den Menschen nicht zu denken? Es muß ihm doch wie Schuppen von den Augen fallen. Dem Denkenden und dem Vergleichenden sagt es ganz deutlich, daß er bei allem anderen, was der Verstand beherrscht, auch nur einen Ersatz erhalten kann, das Minderwertige! An dieser Tatsache sollte der Mensch erkennen, welche Stelle dem Verstand von Natur aus gehört, wenn etwas Richtiges und Wertvolles erstehen soll!

Die Kunst allein ist bisher noch aus dem Wirken des lebendigen Geistes, aus der Empfindung heraus geboren. Sie allein hat einen natürlichen, also normalen und gesunden Ursprung und Werdegang gehabt. Der Geist äußert sich aber nicht in dem Verstande, sondern in den Empfindungen, und zeigt sich nur in dem, das man so allgemein „Gemüt“ benennt. Gerade das, was der auf sich so maßlos stolze Verstandesmensch von heute gern verspottet und verlacht. Er höhnt damit das Wertvollste am Menschen, ja, ausgerechnet das, was überhaupt den Mensch zum Menschen macht!

Mit dem Verstande hat Geist nichts zu tun. Will der Mensch endlich einmal Besserung in allem, muß er das Christuswort beachten: An ihren Werken sollt Ihr sie erkennen! Die Zeit ist da, wo dies geschehen wird.

Nur Werke des Geistes tragen in sich von ihrem Ursprung her das Leben, damit Dauer und Bestand. Und alles andere muß in sich selbst zusammenbrechen, wenn seine Blütezeit vorüber ist. Sobald die Früchte dafür kommen sollen, wird die Hohlheit offenbar!

Seht doch nur die Geschichte an! Allein das Werk des Geistes, also die Kunst, überdauerte die Völker, die an dem Wirken ihres in sich leblosen, kalten Verstandes schon zusammenbrachen. Ihr hohes, vielgerühmtes Wissen konnte ihnen davor keine Rettung bieten. Ägypter, Juden, Griechen, Römer gingen diesen Weg, später auch Spanier und Franzosen, jetzt die Deutschen, – doch die Werke echter Kunst haben sie alle überlebt! Sie werden auch nie untergehen können. Niemand aber sah die strenge Regelmäßigkeit in dem Geschehen dieser Wiederholungen. Kein Mensch dachte daran, die eigentliche Wurzel dieses schweren Übels zu ergründen.

Anstatt diese zu suchen und dem immer wiederkehrenden Verfalle einmal Einhalt zu gebieten, ergab man sich blindlings darein und fügte sich mit Klagen und mit Grollen diesem großen „Nichtzuändernsein“.

Jetzt trifft es nun zum Schluß die ganze Menschheit! Viel Elend liegt schon hinter uns, noch größeres steht uns bevor. Und tiefes Weh geht durch die dichten Reihen der zum Teil schon jetzt davon Betroffenen.

Denkt an die Völker alle, die schon stürzen mußten, sobald sie in die Blütezeit gekommen waren, auf des Verstandes Höhepunkt. Die aus der Blütezeit heranwachsenden Früchte waren überall dieselben! Unsittlichkeit, Schamlosigkeit und Völlerei in mancherlei Gestalt, dem unentrinnbar der Verfall und Niederbruch sich anschloß.

Die unbedingte Gleichart ist für jedermann sehr auffallend! Und auch ein jeder Denkende muß eine ganz bestimmte Art und Folgerichtigkeit strengster Gesetze in diesem Geschehen finden.

Eins dieser Völker nach dem anderen mußte zuletzt erkennen, daß ihre Größe, ihre Macht und Herrlichkeit nur scheinbar war, nur durch Gewalt und Zwang gehalten, nicht aus Gesundheit in sich selbst gefestigt.

Öffnet doch Eure Augen, anstatt zu verzagen! Schauet um Euch, lernt aus dem Gewesenen, vergleicht es mit den Botschaften, die aus dem Göttlichen schon vor Jahrtausenden zu Euch gelangten, und Ihr müßt die Wurzel des fressenden Übels finden, das ganz allein die Hemmung für den Aufstieg der gesamten Menschheit bildet.

Erst wenn das Übel gründlich ausgerottet ist, wird der Weg zu dem allgemeinen Aufstieg offen sein, nicht früher. Und dieser ist dann von Bestand, weil er Lebendiges des Geistes in sich tragen kann, das bisher ausgeschlossen war. —

Bevor wir näher darauf eingehen, will ich erklären, was Geist ist, als einziges, wirklich Lebendiges im Menschen. Geist ist nicht Witz und nicht Verstand! Geist ist auch nicht erlerntes Wissen. Mit Irrtum nennt man deshalb einen Menschen „geistreich“, wenn er viel studierte, las, beobachtete, und sich darüber gut zu unterhalten weiß. Oder wenn er durch gute Einfälle und Verstandeswitz glänzt.

Geist ist etwas ganz anderes. Er ist eine selbständige Beschaffenheit, aus der Welt seiner Gleichart kommend, die anders ist als der Teil, dem die Erde und damit der Körper angehört. Die geistige Welt liegt höher, sie bildet den oberen und leichtesten Teil der Schöpfung. Dieser geistige Teil im Menschen trägt durch seine Beschaffenheit die Aufgabe in sich, nach dem Reingeistigen zurückzukehren, sobald sich alle stofflichen Umhüllungen von ihm gelöst haben. Der Drang dazu wird frei bei einem ganz bestimmten Grad der Reife, und führt ihn dann empor zu seiner Gleichart, durch deren Kraft der Anziehung gehoben *(Vortrag Nr. 63: Ich bin die Auferstehung und das Leben, usw.!).

Geist hat mit irdischem Verstande nichts zu tun, nur mit der Eigenschaft, die man als das „Gemüt“ bezeichnet. Geistreich ist also gleichbedeutend mit „gemütvoll“, aber nicht verstandesvoll.

Um diesen Unterschied einmal leichter herauszufinden, benütze der Mensch nun den Satz: „Es war einmal!“ Sehr viele Suchende werden dadurch schon eine Klärung finden. Beobachten sie aufmerksam sich selbst, so können sie erkennen, was alles in dem bisherigen Erdenleben ihrer Seele nützte, oder was dazu diente, ihnen lediglich das Durchkommen und ihre Arbeit in der irdischen Umgebung zu erleichtern. Was also nicht nur irdische, sondern auch jenseitige Werte hat, und was allein für Erdenzwecke dient, fürs Jenseits aber wertlos bleibt. Das eine kann er mit hinübernehmen, das andere jedoch läßt er bei dem Abscheiden zurück als nur hierher gehörend, da es ihm weiterhin nichts nützen kann. Was er zurückläßt, ist aber nur Werkzeug für das irdische Geschehen, Hilfsmittel für die Erdenzeit, sonst nichts.

Wird nun ein Werkzeug nicht als solches nur benützt, sondern viel höher eingestellt, so kann es selbstverständlich dieser Höhe nicht genügen, es ist am falschen Platze, bringt naturgemäß damit auch Mängel vieler Art, die mit der Zeit ganz unheilvolle Folgen nach sich ziehen.

Zu diesen Werkzeugen gehört als oberstes der irdische Verstand, der als Erzeugnis des menschlichen Gehirnes die Beschränkung in sich tragen muß, der alles Körperlich-Grobstoffliche durch seine eigene Beschaffenheit stets unterworfen bleibt. Und anders als der Ursprung kann auch das Erzeugnis nicht sein. Dieses bleibt immer an die Art des Ursprunges gebunden. Ebenso die Werke, die durch das Erzeugnis erstehen.

Das ergibt für den Verstand naturgemäß das engste, nur irdische Begriffsvermögen, dicht an Raum und Zeit gebunden. Da er von der an sich toten Grobstofflichkeit stammt, welche kein eigenes Leben in sich trägt, ist auch er ohne lebendige Kraft. Dieser Umstand setzt sich selbstverständlich ebenfalls in allem Wirken des Verstandes fort, dem es dadurch unmöglich bleibt, in seine Werke auch Lebendiges zu legen.

In diesem unabbiegbaren natürlichen Geschehen liegt der Schlüssel zu den trüben Vorgängen während des Menschenseins auf dieser kleinen Erde.

Wir müssen endlich unterscheiden lernen zwischen Geist und dem Verstande, dem lebendigen Kerne des Menschen, und seinem Werkzeuge! Wird dieses Werkzeug über den lebenden Kern gesetzt, wie es bisher geschah, ergibt es Ungesundes, das den Todeskeim schon beim Erstehen in sich tragen muß, und das Lebendige, das Höchste, Wertvollste, wird damit eingeschnürt, gebunden, abgeschnitten von seiner notwendigen Tätigkeit, bis er im unausbleiblichen Zusammensturz des toten Baues unfertig frei emporsteigt aus den Trümmern.

Stellen wir uns nun anstatt „Es war einmal“ die Frage vor: „Wie war es in früherer Zeit?“ Wie anders ist die Wirkung. Man bemerkt sofort den großen Unterschied. Die erste Frage spricht zu der Empfindung, die mit dem Geiste in Verbindung steht. Die zweite Frage aber wendet sich an den Verstand. Ganz andere Bilder tauchen dabei auf. Sie sind von vornherein beengt, kalt, ohne Lebenswärme, weil der Verstand nichts anderes zu geben hat.

Der Menschheit größte Schuld aber ist es von Anfang an, daß sie diesen Verstand, der doch nur Lückenhaftes ohne Leben schaffen kann, auf einen hohen Sockel setzte und förmlich anbetend umtanzte. Man gab ihm einen Platz, der nur dem Geiste vorbehalten werden durfte.

Dieses Beginnen steht in allem gegen die Bestimmungen des Schöpfers, und somit gegen die Natur, da diese ja in dem Geschehen der Natur verankert liegen. Deshalb kann auch nichts zu einem wahren Ziele führen, sondern es muß alles scheitern an dem Punkte, wo die Ernte einzusetzen hat. Es ist nicht anders möglich, sondern ein natürliches, vorauszusetzendes Geschehen.

Nur in der reinen Technik ist es anders, in jeder Industrie. Diese ist durch Verstand auf großer Höhe angelangt, und wird in Zukunft noch viel weiter kommen! Die Tatsache dient jedoch als Beweis der Wahrheit meiner Ausführungen. Technik ist und bleibt in allen Dingen immer nur rein irdisch, tot. Da der Verstand nun ebenfalls zu allem irdischen gehört, vermag er sich in Technik glänzend zu entfalten, wirklich Großes zu verrichten. Er steht darin am rechten Platze, in seiner wirklichen Aufgabe! Doch dort, wo auch „Lebendiges“, also rein Menschliches mit in Betracht gezogen werden muß, reicht der Verstand in seiner Art nicht aus, und muß deshalb versagen, sobald er nicht dabei geführt wird durch den Geist! Denn nur der Geist ist Leben. Erfolg in einer ganz bestimmten Art kann immer nur die Tätigkeit der Gleichart bringen. Niemals wird irdischer Verstand deshalb im Geiste wirken können! Aus diesem Grunde wurde es schweres Vergehen dieser Menschheit, daß sie den Verstand über das Leben setzte.

Der Mensch wendete damit seine Aufgabe entgegen der schöpferischen, also ganz natürlichen Bestimmung um, stellte sie sozusagen auf den Kopf, indem er dem an zweiter und nur irdischer Stelle kommenden Verstande den obersten Platz einräumte, der dem lebendigen Geiste gehört. Dadurch ist es wiederum ganz natürlich, daß er nunmehr gezwungen ist, von unten nach oben mühsam zu suchen, wobei der darüber gestellte Verstand mit seinem begrenzten Begriffsvermögen jeden weiteren Ausblick verhindert, anstatt durch den Geist von oben herab schauen zu können.

Will er erwachen, so ist er gezwungen, vorher erst die „Lichter umzustellen“. Was jetzt oben ist, den Verstand, an seinen ihm von Natur aus gegebenen Platz zu setzen, und den Geist wieder an oberste Stelle zu bringen. Diese notwendige Umstellung ist für den heutigen Menschen nicht mehr so leicht. —

Die damalige umstellende Handlung der Menschen, die sich so einschneidend gegen den Schöpferwillen, also gegen die Naturgesetze richtete, war der eigentliche „Sündenfall“, dessen Folgen an Furchtbarkeit nichts zu wünschen übrig lassen; denn er wuchs sich dann zur „Erbsünde“ aus, weil die Erhebung des Verstandes zum Alleinherrscher auch wieder die natürliche Folge nach sich zog, daß die so einseitige Pflege und Betätigung mit der Zeit auch das Gehirn einseitig stärkte, so daß nur der Teil, der die Arbeit des Verstandes zu verrichten hat, heranwuchs, und der andere verkümmern mußte. Dadurch vermag sich dieser durch Vernachlässigung verkümmerte Teil heute nur noch als unzuverlässiges Traumgehirn zu betätigen, das auch dabei noch unter dem kraftvollen Einflusse des sogenannten Tagesgehirnes steht, das den Verstand betätigt.

Der Teil des Gehirnes, der die Brücke zum Geist bilden soll, oder besser die Brücke vom Geist zu allem Irdischen, ist also damit lahmgelegt, eine Verbindung abgebrochen oder doch sehr stark gelockert, wodurch der Mensch für sich jede Betätigung des Geistes unterband, und damit auch die Möglichkeit, seinen Verstand „beseelt“ zu machen, durchgeistet und belebt. Die beiden Teile des Gehirnes hätten ganz gleichmäßig großgezogen werden müssen, zu gemeinsamer harmonischer Tätigkeit, wie alles in dem Körper. Führend der Geist, ausführend hier auf Erden der Verstand. Daß dadurch auch alle Betätigung des Körpers, und sogar dieser selbst nie so sein kann, wie er sein soll, ist selbstverständlich. Dieses Geschehen zieht sich doch naturgemäß durch Alles! Weil damit die Hauptsache zu allem Irdischen fehlt!

Daß mit dem Unterbinden gleichzeitig auch die Entfernung und Entfremdung von dem Göttlichen verbunden war, ist leicht verständliches Geschehen. Es gab dazu ja keinen Weg mehr.

Das hatte zuletzt wiederum den Nachteil, daß schon seit Jahrtausenden ein jeder Kindeskörper, der geboren wird, durch immer weitergreifende Vererbung das vordere Verstandesgehirn so groß mit auf die Erde bringt, daß jedes Kind von vornherein durch diesen Umstand spielend wieder dem Verstande unterworfen wird, sobald dieses Gehirn die volle Tätigkeit entfaltet. Die Kluft zwischen den beiden Teilen des Gehirnes ist nun so groß geworden, das Verhältnis der Arbeitsmöglichkeit so ungleich, daß sich bei der Mehrzahl aller Menschen ohne Katastrophe eine Besserung nicht mehr erzielen läßt.

Der jetzige Verstandesmensch ist nicht mehr ein normaler Mensch, sondern ihm fehlt jede Entwickelung des Hauptteiles seines Gehirnes, der zum Vollmenschen gehört, durch das Verkümmernlassen seit Jahrtausenden. Jeder Verstandesmensch hat ausnahmslos nur ein verkrüppeltes Normalgehirn! Gehirnkrüppel beherrschen deshalb seit Jahrtausenden die Erde, betrachten den Normalmenschen als Feind und suchen ihn zu unterdrücken. Sie bilden sich in der Verkümmerung ein, sehr viel zu leisten, und wissen nicht, daß der Normalmensch zehnfaches zu leisten in der Lage ist und Werke schafft, die Dauer haben, vollkommener sind als das jetzige Bemühen! Zu dieser Fähigkeit zu kommen, steht einem wirklich ernsten Sucher der Weg offen!

Ein Verstandesmensch jedoch wird nicht so leicht mehr fähig werden können, etwas zu begreifen, was zur Tätigkeit dieses verkümmerten Teiles seines Gehirnes gehört! Er kann es einfach nicht, wenn er auch möchte, und nur aus seiner freiwilligen Einengung heraus verlacht er alles das, was für ihn unerreichbar ist, und infolge seines in Wirklichkeit zurückgebliebenen nicht normalen Gehirnes auch nie mehr von ihm begriffen werden wird. Darin ruht gerade der furchtbarste Teil des Fluches dieser unnatürlichen Abirrung. Die für einen normalen Menschen unbedingt gehörende harmonische Zusammenarbeit der beiden Teile des menschlichen Gehirnes ist für die heutigen Verstandesmenschen, die man Materialisten nennt, endgültig ausgeschlossen. —

Materialist zu sein, ist nicht etwa ein Lob, sondern der Ausweis für verkümmertes Gehirn.

Es herrscht also bisher auf dieser Erde das unnatürliche Gehirn, dessen Wirken zuletzt selbstverständlich auch den unaufhaltsamen Zusammenbruch in Allem bringen muß, da alles das, was es auch bringen will, durch die Verkümmerung naturgemäß Disharmonie und Ungesundheit in sich birgt schon bei Beginn.

Daran ist nun nichts mehr zu ändern, sondern man muß ruhig das natürlich sich entwickelnde Zusammenbrechen kommen lassen. Dann aber ist der Tag der Auferstehung für den Geist, und auch ein neues Leben! Der seit Jahrtausenden das Wort führende Sklave des Verstandes ist damit abgetan für immer! Nie wieder wird er sich erheben können, weil der Beweis und eigenes Erleben ihn endlich zwingen wird, sich dem als Kranker und geistig Verarmter endlich freiwillig zu beugen, das er nicht verstehen konnte. Gelegenheit zum Auftreten wider den Geist wird ihm nie mehr geboten sein, weder mit Spott noch mit dem Schein des Rechtes durch Gewalt, wie es ja auch dem Gottessohne gegenüber angewendet wurde, der dagegen kämpfen mußte. Damals wäre es noch Zeit gewesen, vieles Unglück abzuwenden. Jetzt aber nicht mehr; denn inzwischen läßt sich die gelockerte Verbindung zwischen beiden Teilen des Gehirnes nicht mehr überbrücken.

Viele Verstandesmenschen wird es geben, welche wieder spötteln wollen über die Ausführungen in diesem Vortrage, ohne aber dabei wie schon immer außer leeren Schlagworten nur einen wirklich sachlichen Gegenbeweis führen zu können. Doch jeder ernsthaft Suchende und Denkende wird derartiges blindes Eifern nur als erneuten Beweis dafür nehmen müssen, was ich hierin klarlegte. Die Leute können einfach nicht, auch wenn sie sich bemühen. Betrachten wir sie deshalb nun von heute ab als Kranke, die der Hilfe bald bedürfen werden, und... warten wir es ruhig ab. Es ist kein Kampf und kein Gewaltakt nötig, um den notwendigen Fortschritt zu erzwingen; denn das Ende kommt von selbst. Auch hierin wirkt sich das natürliche Geschehen in den unabbiegbaren Gesetzen aller Wechselwirkungen ganz unerbittlich und auch pünktlich aus. — —

Ein „neues Geschlecht“ soll dann erstehen nach so mancherlei Verkündigungen. Dieses wird sich jedoch nicht nur aus Neugeburten zusammenstellen, wie sie jetzt in Kalifornien und auch in Australien bereits beobachtet werden, als mit einem „neuen Sinn“ begabt, sondern in der Hauptsache aus schon lebenden Menschen, die in naher Zeit „sehend“ werden durch viel kommendes Geschehen. Dann haben sie denselben „Sinn“ wie die jetzt Neugeborenen; denn dieser ist nichts weiter als die Fähigkeit, offenen, unbeengten Geistes in der Welt zu stehen, der sich von der Beschränkung des Verstandes nicht mehr unterdrücken läßt. Die Erbsünde wird damit endlich ausgelöscht!

Es hat dies alles aber mit den bisher als „okkulte Fähigkeiten“ bezeichneten Eigenschaften nichts zu tun. Es ist dann lediglich der normale Mensch, wie er sein soll! Das „Sehendwerden“ hat nichts mit dem „Hellsehen“ zu schaffen, sondern es bedeutet das „Einsehen“, Erkennen.

Die Menschen sind dann in der Lage, alles unbeeinflußt zu erblicken, was nichts anderes bedeutet, als zu beurteilen. Sie sehen den Verstandesmenschen so, wie er wirklich ist, mit der für ihn und seine Umwelt so gefährlichen Beschränkung, der gleichzeitig die anmaßende Herrschsucht und Rechthaberei entspringt, die eigentlich dazu gehört.

Sie werden es auch sehen, wie seit Jahrtausenden in strenger Folgerichtigkeit einmal in dieser, dann in jener Form die ganze Menschheit unter diesem Joche litt, und wie sich dieser Krebsschaden als Erbfeind immer gegen die Entwickelung des freien Menschengeistes richtete, den Hauptzweck in der Menschen Sein! Nichts wird ihnen entgehen, auch nicht die bittere Gewißheit, daß die Trübsal, alle Leiden, ein jeder Sturz durch dieses Übel kommen mußte, und daß die Besserung niemals erstehen konnte, weil jedes Einsehen von vornherein durch die Beengung des Begriffsvermögens ausgeschlossen war.

Mit dem Erwachen hat aber auch jeder Einfluß, jede Macht dieser Verstandesmenschen aufgehört. Für alle Zeit; denn eine neue, bessere Epoche für die Menschheit setzt dann ein, in der sich Altes nicht mehr halten kann.

Damit kommt der heute schon von Hunderttausenden ersehnte notwendige Sieg des Geistes über den versagenden Verstand. Viele der bisher irregeführten Massen werden dabei noch erkennen, daß sie bisher den Ausdruck „Verstand“ vollkommen falsch gedeutet hatten. Die meisten nahmen ihn einfach als einen Götzen hin, ganz ungeprüft, nur weil ihn auch die anderen als solchen hinstellten, und weil sich alle seine Anhänger stets als die unfehlbaren, unbeschränkten Herrscher durch Gewalt und durch Gesetze aufzuspielen wußten. Viele nehmen sich deshalb gar keine Mühe, deren eigentliche Hohlheit und die Mängel aufzudecken, welche sich dahinter bargen.

Es gibt nun allerdings auch manche, welche schon Jahrzehnte hindurch gegen diesen Feind ankämpfen, mit zäher Energie und Überzeugung, versteckt und teilweise auch offen, mitunter auch den schwersten Leiden ausgesetzt. Doch sie kämpfen, ohne den Feind selbst zu kennen! Und das erschwerte selbstverständlich den Erfolg. Es machte ihn von vornherein unmöglich. Das Schwert der Kämpfer war nicht gut geschärft, weil sie es stets an nebensächlichen Geschehen schartig schlugen. Mit diesen Nebensachen aber trafen sie auch stets zur Seite in das Leere, vergeudeten die eig’ne Kraft, und brachten nur Zersplitterung unter sich, die heute immer größer wird.

Es gibt in Wirklichkeit nur einen Feind der Menschheit auf der ganzen Linie: Die bisher unbeschränkte Herrschaft des Verstandes! Das war der große Sündenfall, die schwerste Schuld des Menschen, welche alles Übel nach sich zog. Das wurde zu der Erbsünde, und das ist auch der Antichrist, von dem verkündet ist, daß er sein Haupt erheben wird. Deutlicher ausgedrückt, ist Herrschaft des Verstandes sein Werkzeug, wodurch die Menschen ihm verfallen sind. Ihm, dem Gottfeindlichen, dem Antichristen selbst... Luzifer *(Vortrag Nr. 89: Der Antichrist)!

Wir stehen mitten in der Zeit! Er wohnt heute in jedem Menschen, bereit, ihn zu verderben, denn seine Tätigkeit bringt sofort Abwendung von Gott als ganz natürliche Folge. Er schneidet den Geist ab, sobald er herrschen darf.

Deshalb sei der Mensch scharf auf seiner Hut. —

Seinen Verstand soll er nun deshalb nicht etwa verkleinern, doch zum Werkzeug machen, was er ist, nicht aber zu dem maßgebenden Willen. Nicht zum Herrn!

Der Mensch des kommenden Geschlechtes wird die bisherige Zeit nur noch mit Ekel, Grauen, und mit Scham betrachten können. Ungefähr so, wie es mit uns geschieht, wenn wir in eine alte Folterkammer treten. Auch darin sehen wir die schlechten Früchte der kalten Verstandeswirtschaft. Denn es ist wohl unbestreitbar, daß ein Mensch mit nur etwas Gemüt und demnach Geistestätigkeit solcherart Greuel nie ersonnen haben würde! Es ist im ganzen heute allerdings nicht anders, nur etwas übertünchter, und die Massenelende sind ebensolche faule Früchte wie die damalige Einzelfolter.

Wenn der Mensch dann einen Rückblick werfen wird, so kommt er aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus. Er wird sich fragen, wie es möglich war, die Irrungen Jahrtausende hindurch still zu ertragen. Die Antwort gibt sich selbstverständlich einfach: durch Gewalt. Wohin man blickt, ist es ganz deutlich zu erkennen. Abgesehen von den Zeiten grauen Altertums, brauchen wir nur einzutreten in die schon erwähnten Folterkammern, die noch heute überall zu sehen sind, und deren Ausübung nicht so sehr weit zurückzuführen ist.

Wir schaudern, wenn wir diese alten Werkzeuge betrachten. Wieviel kalte Brutalität liegt darin, welche Bestialität! Kaum ein Mensch heutiger Zeit wird daran zweifeln, daß in jenem damaligen Tun schwerstes Verbrechen lag. An den Verbrechern wurde damit ein noch größeres Verbrechen ausgeübt. Aber, herausgeholt aus der Familie und Freiheit, wurde auch so mancher Unschuldige roh hineingeworfen in diese Gewölbe. Welche Klagen, welche Schmerzensschreie verhallten hier von denen, die den Peinigern vollkommen wehrlos darin preisgegeben waren. Menschen mußten Dinge leiden, vor denen man in dem Gedanken nur mit Grauen und Abscheu stehen kann. Ein jeder fragt sich unwillkürlich, ob das wirklich menschenmöglich war, was da alles an diesen Wehrlosen geschah, dazu noch unter einem Scheine alles Rechtes. Eines Rechtes, das man sich doch einst nur mit Gewalt erzwungen hatte. Und nun erzwang man wiederum durch körperliche Schmerzen Schuldbekenntnisse von den Verdächtigten, damit man sie dann in Gemächlichkeit ermorden konnte. Wenn diese Schuldbekenntnisse auch nur erzwungen abgegeben wurden, um diesen unsinnigen körperlichen Qualen zu entgehen, so genügte es den Richtern doch, weil sie es brauchten, um dem „Worte“ des Gesetzes zu genügen. Ob die also Beschränkten wirklich wähnten, daß sie sich dadurch auch vor dem göttlichen Willen reinwaschen konnten? Von dem unerbittlich arbeitenden Grundgesetze einer Wechselwirkung freizukommen?

Entweder waren alle diese Menschen Auswürfe der hartgesottensten Verbrecher, die sich unterfingen, über andere Gericht zu halten, oder es zeigte sich darin so deutlich die krankhafte Beschränktheit irdischen Verstandes. Ein Mittelding kann es nicht geben.

Nach göttlichen Schöpfungsgesetzen sollte ein jeder Würdenträger, jeder Richter, gleichviel, welches Amt er hier auf Erden trägt, in seinem Handeln niemals unter einem Schutze dieses Amtes stehen, sondern er hat allein und rein persönlich, ungeschützt wie jeder andere Mensch, für alles selbst volle Verantwortung zu tragen, was er in seinem Amte tut. Nicht geistig nur, sondern auch irdisch. Dann wird es jedermann viel ernster, sorgfältiger nehmen. Und sogenannte „Irrtümer“ werden ganz sicher nicht so leicht wieder vorkommen, deren Folgen nie gutzumachen sind. Ganz abgesehen von den körperlichen und seelischen Leiden der davon Betroffenen und ihrer Angehörigen.

Doch betrachten wir uns einmal weiterhin das auch dazu gehörende Kapitel der Prozesse über sogenannte „Hexen“!

Wer einmal Zugang hatte zu Gerichtsakten über derartige Prozesse, möchte mit Aufwallung flammender Scham sich wünschen, nie zu dieser Menschheit zugezählt zu werden. Besaß ein Mensch damals nur Kunde über Heilkräuter, sei es durch praktische Erfahrungen, oder durch Überlieferungen, und half er damit den leidenden Menschen, die ihn darum baten, so kam er unerbittlich dafür unter diese Folter, wovon ihn zuletzt nur der Tod durch Feuer löste, wenn sein Körper nicht schon vorher diesen Grausamkeiten unterlag.

Selbst körperliche Schönheit konnte damals Anlaß dazu sein, namentlich Keuschheit, welche nicht zu willen war.

Und dann die Furchtbarkeiten der Inquisition *(Ketzergericht)! Verhältnismäßig wenig Jahre sind es nur, die uns von diesem „damals“ trennen!

Wie wir nun heute diese Ungerechtigkeit erkennen, genau so fühlte es damals das Volk. Denn dieses war von dem „Verstande“ noch nicht ganz so eingeengt, bei ihnen brach noch hier und da Gefühl hindurch, der Geist.

Erkennt man heute nicht vollkommene Beschränktheit in dem allen? Unverantwortliche Dummheit?

Man spricht davon mit Überlegenheit und Achselzucken, doch es ist im Grunde nichts daran geändert. Die beschränkte Anmaßung allem Nichtverstandenen gegenüber ist noch genau so da! Nur ist an Stelle dieser Folterungen jetzt öffentlicher Spott zur Hand, bei allem, was man durch die eigene Beschränktheit nicht versteht. Es schlage sich doch mancher einmal an die Brust, und denke, ohne sich dabei zu schonen, erst darüber nach. Ein jeder Mensch wird von Verstandesheroen, das heißt also nicht ganz normalen Menschen, von vornherein als Schwindler angesehen, auch vielleicht vor Gericht, wenn er die Fähigkeit besitzt, etwas zu wissen, was den anderen verschlossen ist, vielleicht mit feinstofflichen Augen auch die feinstoffliche Welt zu schauen, als ein natürliches Geschehen, was man in ganz kurzer Zeit nicht mehr bezweifeln, noch weniger gefühllos bekämpfen wird.

Und wehe dem, der selbst nichts damit anzufangen weiß, sondern in aller Harmlosigkeit davon spricht, was er gesehen hat, und was er hörte. Er muß sich davor fürchten, wie die ersten Christen unter Nero mit seinen allezeit zum Mord bereiten Helfern.

Wenn er nun gar noch andere Fähigkeiten hat, die von den ausgesprochenen Verstandesmenschen nie begriffen werden können, dann wird er unbedingt erbarmungslos gehetzt, verleumdet, ausgestoßen, wenn er nicht jedermann zu willen ist; wenn irgendmöglich wird er „unschädlich“ gemacht, wie man sich so schön auszudrücken pflegt. Niemand macht sich darüber irgendwie Gewissensbisse. Ein solcher Mensch gilt heute noch als Freiwild eines jeden innerlich manchmal sehr unsauberen Menschen. Je beschränkter, desto größer ist der Wahn der Klugheit, und der Hang zur Überhebung.

Man hat an diesen Vorgängen der alten Zeit mit ihren Foltern und Verbrennungen, und den so lächerlichen Akten der Prozesse nichts gelernt! Denn jeder darf auch heute noch Außergewöhnliches und Nichtverstandenes straffrei beschmutzen und beleidigen. Es ist darin nicht anders, als es früher war.

Noch schlimmer als bei der Justiz war es bei den Inquisitionen, welche von der Kirche ihren Ausgang hatten. Hier wurden Schreie der Gequälten von frommen Gebeten übertönt. Es war ein Hohn auf den göttlichen Willen in der Schöpfung! Die damaligen kirchlichen Vertreter bewiesen damit, daß sie keine Ahnung von der wahren Lehre Christi hatten, noch von der Gottheit und von derem schöpferischen Willen, dessen Gesetze unumstößlich in der Schöpfung ruhen, und dort wirken, gleichartig schon von Anfang an und bis ans Ende aller Tage.

Gott gab dem Menschengeiste in dessen Beschaffenheit den freien Willen des Entschlusses. In diesem nur kann er so reifen, wie er soll, sich abschleifen und voll entwickeln. Nur darin liegt für ihn die Möglichkeit dazu. Wird dieser freie Wille aber unterbunden, so ist es eine Hemmung, wenn nicht ein gewaltsames Zurückschleudern. Christliche Kirchen aber, wie viele Religionen, bekämpften damals diese göttliche Bestimmung, traten ihr mit größter Grausamkeit entgegen. Durch Marter und zuletzt durch Tod wollten sie Menschen zwingen, Wege einzuschlagen und zu gehen, Bekenntnisse zu machen, die gegen deren Überzeugung, also gegen deren Willen waren. Damit verstießen sie gegen das göttliche Gebot. Doch nicht nur das, sondern sie hinderten die Menschen an dem Vorwärtsschreiten ihres Geistes, und schleuderten sie noch Jahrhunderte zurück.

Wenn dabei nur ein Funken wirklichen Gefühles sich gezeigt hätte, also des Geistes, so durfte und so konnte solches nie geschehen! Es bewirkte demnach nur die Kälte des Verstandes das Unmenschliche.

Wie mancher Papst selbst hat geschichtlich nachweisbar mit Gift und Dolch arbeiten lassen, um seine rein irdischen Wünsche, seine Ziele zu verwirklichen. Das konnte nur unter der Herrschaft des Verstandes sein, welcher auf seinem Siegeszuge alles unterwarf, vor nichts Halt machte. —

Und über allem lag und liegt in unabwendbarem Geschehen ehern unseres Schöpfers Wille. Beim Hinübertreten in das Jenseits ist ein jeder Mensch entkleidet der irdischen Macht und dessen Schutzes. Sein Name, seine Stellung, alles ist zurückgeblieben. Nur eine arme Menschenseele geht hinüber, um dort zu empfangen, auszukosten, was sie säte. Nicht eine Ausnahme ist möglich! Ihr Weg führt sie durch alles Räderwerk der unbedingten Wechselwirkung göttlicher Gerechtigkeit. Da gibt es keine Kirche, keinen Staat, sondern nur Einzelmenschenseelen, die persönlich über jeden Irrtum abzurechnen haben, den sie taten!

Wer gegen Gottes Willen handelt, also in der Schöpfung sündigt, ist den Folgen dieser Übertretung unterworfen. Gleichviel, wer es auch sei, und unter welchem Vorwande es ausgeführt wurde. Sei es ein Einzelmensch, unter dem Deckmantel der Kirche, der Justiz... Verbrechen an dem Körper oder an der Seele ist und bleibt Verbrechen! Es kann durch nichts geändert werden, auch nicht durch einen Schein des Rechtes, das durchaus nicht immer das Recht ist; denn selbstverständlich wurden die Gesetze ebenfalls nur durch Verstandesmenschen aufgestellt, und müssen dieserhalb irdische Beschränkung in sich tragen.

Man sehe sich das Recht so vieler Staaten einmal an, namentlich in Zentral- und Südamerika. Der Mensch, der heute die Regierung führt und dabei alle Ehren hat, kann morgen schon als ein Verbrecher in den Kerker kommen, oder hingerichtet werden, wenn es dem Widersacher glückt, diese Regierung durch einen Gewaltakt an sich zu reißen. Gelingt ihm dieses nicht, wird er anstatt zu dem Regenten anerkannt, als ein Verbrecher angesehen und verfolgt. Und alle behördlichen Organe dienen bereitwillig dem einen wie dem anderen. Sogar ein Weltreisender muß oft sein Gewissen wechseln wie ein Kleid, wenn er aus einem Lande in ein anderes geht, um überall als gut zu gelten. Was in dem einen Lande als Verbrechen gilt, ist in dem anderen sehr oft erlaubt, noch mehr, vielleicht sogar begrüßt.

Das ist natürlich nur in den Errungenschaften irdischen Verstandes möglich, nie aber dort, wo der Verstand seine natürliche Stufe als Werkzeug des lebendigen Geistes einnehmen muß; denn wer auf den Geist hört, wird niemals Gesetze Gottes übersehen. Und wo diese als die Grundlage genommen werden, dort kann es keine Mängel, keine Lücken geben, sondern nur Einheitlichkeit, die Glück und Frieden nach sich zieht. Die Ausdrücke des Geistes können überall in ihren Grundzügen nur immer ganz die gleichen sein. Sie werden nie einander gegenüberstehen.

Auch Rechtskunst, Heilkunst, Staatskunst muß nur mangelhaftes Handwerk bleiben dort, wo nur Verstand die Grundlage bilden kann und das Geistige darin fehlt. Es ist einfach nicht anders möglich. Dabei natürlich immer wieder von dem wirklichen Begriffe „Geist“ ausgehend. —

Wissen ist ein Produkt, Geist aber Leben, dessen Wert und Kraft nur nach seinem Zusammenhange mit dem Ursprunge des Geistigen bemessen werden kann. Je inniger dieser Zusammenhang, desto wertvoller, machtvoller der von dem Ursprung ausgegangene Teil. Je lockerer aber dieser Zusammenhang wird, desto entfernter, fremder, einsamer und schwächer muß auch der ausgegangene Teil sein, also der betreffende Mensch.

Das sind alles so einfache Selbstverständlichkeiten, daß man nicht begreifen kann, wie die fehlgegangenen Verstandesmenschen immer und immer wieder wie blind daran vorübergehen. Denn was die Wurzel bringt, erhält der Stamm, die Blüte und die Frucht! Aber auch hierin zeigt sich diese hoffnungslose Selbsteinengung im Begreifen. Mühsam haben sie sich eine Mauer vorgebaut, und können nun nicht mehr darüber schauen, noch weniger hindurch.

Allen Geistiglebendigen jedoch müssen sie mit ihrem eingebildet-überlegenen, spöttischen Lächeln, mit dem Sichüberheben und Herabsehen auf andere nicht so tief Versklavte, manchmal wie arme, kranke Narren erscheinen, die man trotz alles Mitleides in ihrem Wahne lassen muß, weil deren Grenze des Begreifens selbst Tatsächlichkeiten gegenteiliger Beweise ohne Eindrücke vorübergehen läßt. Jede Bemühung, etwas daran zu bessern, muß nur dem erfolglosen Bestreben gleichen, einem kranken Körper durch das Umhängen eines neuen glänzenden Mäntelchens auch gleichzeitig Gesundung zu verschaffen.

Schon jetzt ist der Materialismus über seinen Höhepunkt hinaus, und muß nun überall versagend bald in sich zusammensinken. Nicht ohne dabei vieles Gute mitzureißen. Die Anhänger sind bereits am Ende ihres Könnens, werden bald an ihrem Werke und dann an sich selbst verwirrt, ohne den Abgrund zu erkennen, der sich vor ihnen aufgerissen hat. Wie eine Herde ohne Hirten werden sie bald sein, einer dem anderen nicht trauend, jeder seinen eigenen Weg verfolgend, und dabei trotzdem stolz noch über andere sich erhebend. Undurchdacht, nur früherer Gewohnheit folgend.

Mit allen Zeichen des äußeren Scheines ihrer Hohlheit werden sie zuletzt auch blindlings in den Abgrund stürzen. Sie halten noch für Geist, was nur Produkte ihrer eigenen Gehirne sind. Wie aber kann tote Materie lebenden Geist erzeugen? In vielen Dingen sind sie stolz auf ihr exaktes Denken, und lassen in den Hauptsachen ganz skrupellos die unverantwortlichsten Lücken.

Ein jeder neue Schritt, jeder Versuch zur Besserung wird immer wieder alle Dürre des Verstandeswerkes in sich tragen müssen, und somit den Keim des nicht abzuwendenden Verfalles.

Alles, was ich derart sage, ist kein Prophezeien, kein haltloses Voraussagen, sondern die unabänderliche Folge des alles belebenden Schöpfungswillens, dessen Gesetze ich schon in meinen vielen, vorausgegangenen Vorträgen erläuterte. Wer mit mir im Geiste den darin scharf angedeuteten Wegen folgt, muß auch das notwendige Ende überschauen und erkennen. Und alle Anzeichen dafür sind bereits da.

Man klagt und zetert, sieht mit Ekel, wie sich heute Auswüchse des Materialismus in Formen zeigen, die kaum glaublich sind. Man fleht und betet um Befreiung aus der Qual, um Besserung, Gesundung von dem grenzenlosen Niedergange. Die Wenigen, die irgendeine Regung ihres Seelenlebens retten konnten aus der Sturmflut des unglaublichen Geschehens, die geistig nicht erstickten in dem allgemeinen Niedergang, der trügend stolz den Namen „Fortschritt“ an der Stirne trägt, sie fühlen sich wie Ausgestoßene, Zurückgebliebene, und werden auch als solche von den seelenlosen Mitläufern der Neuzeit angesehen und verlacht.

Ein Kranz von Lorbeer allen denen, die den Mut besaßen, sich den Massen nicht mit anzuschließen! Die stolz zurückblieben auf der steil abschüssigen Bahn!

Ein Schlafwandler, der heute noch sich darob unglücklich erachten will! Die Augen auf! Seht Ihr denn nicht, daß alles das, was Euch bedrückt, bereits der Anfang von dem jähen Ende des jetzt nur noch scheinbar herrschenden Materialismusses ist? Der ganze Bau ist bereits am Zusammenstürzen, ohne Zutun derer, die darunter litten und noch leiden müssen. Das Verstandesmenschentum muß nunmehr ernten, was es in Jahrtausenden erzeugte, nährte, großzog und umschwärmte.

Für Menschenrechnung eine lange Zeit, für Gottes selbsttätige Mühlen in der Schöpfung eine kurze Spanne. Wohin Ihr blickt, überall kommt das Versagen. Es wogt zurück und staut sich drohend wie ein schwerer Wall empor, um bald sich überstürzend und zusammensinkend seine Anbeter tief unter sich zu begraben. Es ist das unerbittliche Gesetz der Wechselwirkung, das bei dieser Auslösung sich furchtbar zeigen muß, weil in Jahrtausenden trotz vielerlei Erfahrungen nie eine Änderung zu Höherem erfolgte, sondern im Gegenteil der gleiche falsche Weg noch breiter ausgetreten wurde.

Verzagende, die Zeit ist da! Hinauf die Stirn, die Ihr oft schamvoll senken mußtet, wenn Ungerechtigkeit und Dummheit Euch so tiefes Leid bereiten konnte. Seht Euch den Gegner heute ruhig an, der Euch so unterdrücken wollte!

Das bisherige Prunkgewand ist schon sehr arg zerschlissen. Aus allen Löchern sieht man endlich die Gestalt in ihrer wahren Form. Unsicher, doch nicht minder eingebildet, schaut daraus das ermattete Produkt des menschlichen Gehirnes, der Verstand, der sich zum Geist erheben ließ... verständnislos hervor!

Nehmt nur getrost die Binde ab und schaut Euch schärfer um. Allein die Durchsicht sonst ganz guter Zeitungen gibt einem klaren Blicke mancherlei bekannt. Man sieht krampfartiges Bemühen, an allem alten Schein noch festzuhalten. Mit Anmaßung und oft sehr plumpen Witzeleien sucht man die immer deutlicher sich zeigende Verständnislosigkeit zu decken. Mit abgeschmackten Ausdrücken will oft ein Mensch etwas beurteilen, wovon er doch in Wirklichkeit ganz augenfällig keine Ahnung des Begreifens hat. Selbst Menschen mit ganz guten Anlagen flüchten sich heute hilflos auf die unsauberen Wege, nur um nicht zu bekennen, daß so viele Dinge über das Begriffsvermögen ihres eigenen Verstandes gehen, auf den allein sie sich bisher verlassen wollten. Sie fühlen nicht das Lächerliche des Gebarens, sehen nicht die Blößen, die sie nur damit vergrößern helfen. Verwirrt, geblendet werden sie bald vor der Wahrheit stehen, und trauernd ihr verfehltes Leben überblicken, dabei endlich beschämt erkennend, daß dort gerade Dummheit lag, wo man sich weise dünkte.

Wie weit ist es heute schon gekommen? Der Muskelmensch ist Trumpf! Hat je ein ernster Forscher, der in jahrzehntelangem Ringen ein Serum fand, das Hunderttausenden von Menschen jährlich unter Groß und Klein Schutz und auch Hilfe vor tödlichen Krankheiten bescherte, solche Triumphe feiern können wie ein Boxer, der in rein irdischer, grober Roheit den Nebenmenschen niederringt? Oder wie ein Flieger, der mit ein Kleinwenig Mut, nicht mehr, als wie ein jeder Krieger im Felde haben mußte, dank seiner ausgezeichneten Maschine einen großen Flug ausführt? Es wird zur halben Staatsaktion gemacht. Doch hat dabei nur eine Menschenseele irgendwelchen Nutzen? Nur irdisch, alles irdisch, das heißt niedrig in dem ganzen Schöpfungswerke! Ganz dem goldnen Kalbe der Verstandestätigkeit entsprechend. Als Triumph dieses so erdgebundenen, tönernen Scheinfürsten über die eingeengte Menschlichkeit! — —

Und niemand sieht dieses rasende Abwärtsgleiten in die grauenhafte Tiefe!

Wer es empfindet, hüllt sich vorläufig noch ein in Schweigen, mit dem beschämenden Bewußtsein, doch verlacht zu werden, wenn er spricht. Es ist bereits ein toller Taumel, in dem jedoch aufkeimende Erkenntnis liegt des Unvermögens. Und mit dem Ahnen der Erkenntnis bäumt sich alles nur noch mehr auf, schon aus Trotz, aus Eitelkeit, und nicht zuletzt aus Furcht und Grauen vor dem Kommenden. Man will um keinen Preis schon an das Ende dieses großen Irrtums denken! Es wird zum krampfhaften Festhalten an dem stolzen Bau vergangener Jahrtausende, der ganz dem Turmbaue zu Babel gleicht, und auch so enden wird!

Der bisher ungebeugte Materialismus trägt das Todesahnen in sich, das mit jedem Monat deutlicher zutage tritt. —

Doch in zahlreichen Menschenseelen regt es sich, an allen Orten, auf der ganzen Erde! Über dem Glanz der Wahrheit ist nur eine dünne Schicht der alten, falschen Anschauungen noch gebreitet, die der erste Windstoß einer Reinigung hinwegfegt, um damit den Kern freizugeben, dessen Leuchten mit so vielen anderen sich bindet, um seinen Strahlenkegel zu entfalten, der hinaufsteigt wie ein Dankesfeuer nach dem Reich der lichten Freude, zu des Schöpfers Füßen.

Das wird die Zeit des vielersehnten tausendjährigen Reiches sein, das vor uns liegt als großer Hoffnungsstern in strahlender Verheißung!

Und damit ist die große Sünde aller Menschheit wider den Geist endlich gelöst, die ihn durch den Verstand gebunden hielt auf Erden! Erst das ist dann der rechte Weg zu dem Natürlichen zurück, dem Weg des Schöpferwillens, der der Menschen Werke groß sein lassen will, und von lebendigen Empfindungen durchströmt! Der Sieg des Geistes aber wird gleichzeitig auch der Sieg der reinsten Liebe sein!

Gralsbotschaft von Abdrushin


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